Wie ticken die Schweden?

Schweden

Wer noch nicht dort war, der denkt bei Schweden an eine blaue Flagge, gelb gekreuzt, an ein großes, sehr bekanntes Möbelhaus inklusive fallender Tannenbäume nach Weihnachten und an Wikinger. Was aber macht die Schweden tatsächlich aus?

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Gesellige Schweden

Die Schweden sind freundliche, aber eher zurückhaltende Menschen. Sie verstehen zwar, Feste zu feiern, und tun dies auch regelmäßig und gerne, doch werden diese aus den eigenen vier Wänden ausgelagert.

Obwohl man sich außer Haus trifft, geht man abends selten mit Freunden zum Essen. Gegessen wird zu Hause. Daher verwundert es kaum, dass die meisten Restaurants am frühen Abend schließen.

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Im Winter trifft man sich in Lokalen. Im Sommer gibt es zahlreiche - und durchwegs romantische – Midsommar-Feste im Freien. Nach Weihnachten, beziehungsweise dem Julfest, ist das zur Sommersonnenwende stattfindende Midsommar-Fest die wichtigste Feierlichkeit im Jahr. Wenn die Sonne so gut wie nicht untergeht und es immer hell ist, herrscht das Brauchtum der „Weißen Nächte“.

Hier stellt man am Midsommar-Abend die „Maistange“ auf, die nichts mit dem Monat Mai oder unserem Maibaum zu tun hat. In diesem Fall bezieht sich die Majsta°ng auf „maja – mit Blumen schmücken“. Midsommar feiert man nichtsdestotrotz sehr ähnlich unserem Maifest.

Alkoholgenuss und Kaffeejause bei den Schweden

Alkohol trinkt man eigentlich nur bei einer Festivität. Sonst ist der Genuss von Alkohol eher verpönt und man verweist bei einem seltenen Gläschen Wein zum Essen etwas verlegen auf die populäre Meinung der positiven Wirkung auf die Gesundheit.
Bei Feiern dagegen wird ordentlich getrunken, oftmals schon im Vorfeld zur Feier mit mitgebrachten Schnäpschen, damit die Getränkerechnung nicht zu hoch ausfällt.

Feste im eigenen Haus sind fast ausschließlich der Familie zugänglich. Sollte man dennoch nach Hause eingeladen werden, kann man sicher sein, dass im Vorfeld das ganze Haus geputzt und auf Vordermann gebracht wurde. So kann es schon passieren, dass ein Termin vereinbart wird, der nicht beiläufig gewählt, sondern regelrecht geplant wurde. Dafür gibt es dann auch eine Führung durch das ganze Haus mit Besichtigung aller Räume inklusive der Schlafzimmer.

Übrigens entledigt sich der Gast im Empfangsbereich selbstverständlich seiner Schuhe. Bei besonders festlichen Anlässen bringt man seine Ausgehschuhe mit, welche die Straßenschuhe ablösen und vor dem Eintreten angezogen werden.

Bei einer Kaffeejause verwöhnt man den Gast traditionellerweise mit siebenerlei Gebäck, das selbst gebacken wird. Wie kommt’s? Im achtzehnten Jahrhundert war der Kaffeegenuss teilweise verboten oder immens hoch besteuert, sodass man sich diesen Luxus nicht leisten konnte. Später, als das wieder möglich war, begann man zum Kaffee ausgiebig zu backen - wohl, um den wiedererlangten Genuss bestmöglich zu zelebrieren. Schließlich festigte sich die Anzahl der verschiedenen Gebäcksorten auf sieben.

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Da heute kaum noch jemand Zeit hat, neben der exzessiven Hausreinigung auch noch so viel frisches Backwerk zu zaubern, wird mittlerweile – für alle Fälle – vieles schon vorgearbeitet, tiefgefroren und schließlich für den [Odin - dem Oberhaupt der Götter der alten Wikinger - sei Dank!] seltenen Besuch aufgebacken.

Mittlerweile trinken die Schweden Kaffee beinahe zu jeder Gelegenheit. Die Kaffeepause ist den Schweden heilig. Sogar abends vor dem Zubettgehen wird noch ein Tässchen, schwarz und mit Zucker, genossen.

Schwedische Eroberungen

Kaffeekränzchen hin oder her, die Schweden sind eher schwer zu erobern. Sprich: Freundschaften ergeben sich nicht allzu leicht. Die Schweden bleiben recht gerne unter sich.

Apropos erobern: In Schweden machen die Frauen den Schritt in Richtung Flirten und Beziehung und nicht die Männer. Diese verhalten sich sehr kühl und distanziert, bevor in ihnen in irgendeiner Weise eine Gefühlsregung zu erkennen ist - so die Berichte.

In Sachen Emanzipation und Gleichberechtigung sind die Schweden tatsächlich ganz vorne mit dabei – nachzulesen im Report der Vereinten Nationen über den Fortschritt der Gleichstellung der Geschlechter. Das Verhältnis von Jungen zu Mädchen in höherer Schulbildung ist in etwa gleich hoch. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen liegt bei 51%. Und es kommt noch besser: In Schweden sind nahezu die Hälfte der Abgeordneten im Parlament Frauen. Dortzulande besteht traditionellerweise das Kabinett zur Hälfte aus Ministerinnen. Das stellt Schweden bei der Machtverteilung in der Regierung an die Spitze aller Länder.

Trotz alledem: Auch Schweden hat bezüglich der Gehälteranpassung im Vergleich Mann zu Frau noch einiges an Aufholbedarf. Die Gleichstellung der Frauen ist schwedischen Männern allerdings ein Anliegen und man sieht sie diese auch tatsächlich im Alltag, beispielsweise bei der Kinderbetreuung, leben.

Bescheidenheit und Verhaltenskodex bei den Schweden

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Ein markantes Phänomen, das bei den Schweden zu beobachten ist, ist ein starker Hang zur übermäßigen Bescheidenheit und Zurückhaltung. Schweden wollen weder aufdringlich wirken noch sich von anderen abheben. Auch die eigenen Leistungen werden nicht entsprechend akzentuiert.
Dieses Verhalten rührt aus den „Jantelagen“ oder dem „Gesetz von Jante“. Dabei handelt es sich um einen Verhaltenskodex sozialer Spielregeln, der auf einen Roman von Aksel Sandemoses zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zurückgeht. Darin werden absolute Bescheidenheit und die Selbstzügelung der eigenen Persönlichkeit zum Vorbild, um negative Auswirkungen wie Neid zu vermeiden und stattdessen dem Kollektiv in seiner Gänze zunutze zu sein.

Jüngere Generationen stehen diesem Kodex durchwegs auch kritisch gegenüber.

Eine möglicherweise positive Auswirkung ist, dass man sich in Schweden mit der „Du-Form“ und dem Vornamen anredet, im Alltag auf der Straße, im Büro, sogar auf Behörden. Nur die Königsfamilie ist davon ausgenommen und wird mit ihren Titeln angesprochen.

Man grüßt sich mit einem lockeren „Hej“ oder auch Hejda“ und verabschiedet sich auch so. Zwar gibt es Formeln wie „God morgon – Guten Morgen“ oder „God dag – Guten Tag“, diese sind jedoch eher zu offiziellen Anlässen zu hören und sonst sogar mit Vorsicht zu genießen. So kann ein ernstes „God dag“ schon auch mal bedeuten, dass man lieber das Weite suchen sollte, da man die Nerven des Gegenübers vielleicht ein wenig zu sehr strapaziert hat.

Konsensliebende Schweden

Schweden lieben den Konsens und sind daher keine begeisterten Diskussionspartner. Sie genießen keine kontroversen Gespräche in der Öffentlichkeit, wie beispielsweise Franzosen, die es sogar als Interesse und Anteil am Diskurs verstehen, wenn man sich gegenseitig mit Bekundungen und Äußerungen ins Wort fällt.

Höflichkeit und ein entspannter, freundlicher Gesichtsausdruck werden sehr geschätzt. Dennoch kann es vorkommen, dass man Sie als Fremden im Fahrstuhl nicht grüßt oder beachtet.

Halten Sie sich bei allem „Lagom“ – nicht zu extrem, ein gutes Mittelmaß, gerade richtig! Dann werden Sie angenehme und erfreuliche Begegnungen mit den Schweden erleben.

Auf keinen Fall sollten Sie sich mit „Tschüss“ verabschieden, wenn Sie Missverständnisse vermeiden wollen. Das klingt dem schwedischen „kyuss“ zu ähnlich und bedeutet „Kuss“.

In diesem Sinne: Vi ses! Bis bald!



Giselheid Weller

Über die Autorin

Giselheid Weller ist Bloggerin mit einer Leidenschaft für Sprache und schöne Texte. Ihr frischer, quirliger Schreibstil in Kombination mit guter Recherche bereiten dem Leser stets ein kurzweiliges, angenehmes sowie informatives Lese-Vergnügen. Sie schreibt und fotografiert am liebsten für bildungsraum.

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